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Adjektive – alles bunt!

In der Schule wurde uns beigebracht, mit Adjektiven (Eigenschaftswort, Beiwort oder auch “Wiewort”) den Text bunt zu gestalten. Sehr bunt! Je bunter, desto besser!

So habe ich viele Jahre farbenfroh  geschrieben. Adjektive habe ich bis zum abwinken eingesetzt und jede noch so unwichtige Szene bis ins kleinste Detail beschrieben.

Damals wunderte ich mich noch, warum meine Kurzgeschichten keinen Blumentopf bei Ausschreibungen gewannen. Doch leider gab und gibt es bei diesen Wettbewerben kein Feedback.

Gute Kritik erhielt ich erst mit Zugang zum Internet, als ich meine Texte auch Online stellen konnte. Zu der Zeit hatte ich noch ein 56K-Modem, die Communities waren noch überschaubar und man kannte sich nach kurzer Zeit in den verschiedenen Schriftsteller- und Autorenforen.

Dort habe ich auch erste Erfahrungen mit knallharten Kritiken gehabt, denn dort wird einem nicht Honig ums Maul geschmiert, wie bei der Verwandtschaft, die schlimmstenfalls sagt „Schöne Geschichte.“.

Aber im Forum kam man direkt auf den Punkt: Muss es mich interessieren, dass der Überbringer des braunen zerknitterten Kuverts einen ähnlich zerknitterten beige-braunen Trenchcoat an hat, Anfang  30 ist, ergraute Haare zu einem Mittelscheitel gekämmt trägt, und die weißen Kunstlederschuhe überhaupt nicht zum restlichen Erscheinungsbild passen?

Wenn Deine Antwort jetzt lautet „Ja, diese Information ist für den weiteren Verlauf der Geschichte sehr wichtig!“, dann kann man Dir nichts vorwerfen. Aber sollte dieser Briefträger nie wieder in der Geschichte auftauchen und keine weitere schwerwiegende Rolle haben, dann lass Dir das nächste mal den Umschlag von einem Boten bringen, denn der kostet weniger wertvolle Zeichen.

Oft liest man auch, dass man Adjektive rar halten soll, damit die Leser ihren eigenen Freiraum bei der Szenengestaltung haben und deren Fantasie nicht zu sehr eingeschränkt wird. Um selbst rauszufinden, ob man es zu bunt getrieben hat, reicht es oft schon, wenn man den Textabschnitt ohne Adjektive selbst nochmal durchliest. Sollte man dann trotzdem Schwierigkeiten damit haben, zu erkennen, dass der englisch geschnittene Rasen ordentlich kurz und sattgrün ist, dann fehlt noch etwas Farbe.

Unnötige Adjektive kannst Du auch entdecken, wenn Du es jeweils mit dem gegenteiligen Ausdruck ersetzt. Sollte etwas Unsinniges dabei herauskommen, dann streiche es. Eingeschlichene Tautologien findest Du so ebenfalls, wie z.B. der alte Greis oder der weiße Schimmel.

 

Lesetipp:  Der Roman „Nichts: Was im Leben wichtig ist“ von Janne Teller, ist ein sehr gutes Beispiel, wie viel man aus wenig Adjektiven machen kann.

Weiterer Buchtipp: „Das Schreibseminar“ ( von Andrea Fehringer und Thomas Köpf) bietet zu diesem Thema eine gute Übung an, die sich leicht auch an fremden Texten anwenden lässt.

 

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